Offener Brief an die neue Zivilisation

Sehr geehrte Freunde,
Zuerst muss ich mich wohl vorstellen, oder lieber das, was im Verlauf des weiteren Textes von Bedeutung sein wird.
Vor einigen Jahren beschlossen meine Frau und ich nach Russland in eine sogenannte „Anastasia Siedlung“ auszuwandern. Wir gingen nach Ilsky im Kreis Krasnodar in die Siedlung „Wedrussia“.
Unser Vorhaben war sehr mutig, weil wir alles in Deutschland aufgaben, um so schnell als möglich umsiedeln zu können. Doch Bürokratie und die fremde Kultur, machten uns einen schnellen Aufbau des Landsitzes nicht einfach. Dennoch, in den folgenden Jahren lebten wir auf dem Land, so dass ich wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Aus diesen Erfahrungen heraus und mit Hilfe eines nahen Dolmens, kreierte ich ein Konzept, das die Schwierigkeiten, die beim Aufbau einer solchen Siedlung in einem Staat entstehen, weitgehend aus dem Weg schaffen kann. Und – und dies ist das wichtigste – es tut dies, ohne Kampf, ohne Störung des Bestehenden und vor allem, ohne die eigenen Ideale zu verraten, sprich Kompromisse einzugehen.
Die folgenden Zeilen sollen verdeutlichen, wie ich zu vielen Einsichten in die aktuellen Probleme der russischen Landsitzbewegung gekommen bin – wobei ich davon ausgehe, dass es nicht zwangsläufig in allen russischen Landsitzen so sein muss. Sie werden an vielen Stellen sicherlich denken : „Mein Gott, der ist aber kleinlich…“ – Ja, das bin ich, aber es sind genau die Nuancen, die Kleinigkeiten, die ich Ihnen beschreiben möchte, die den großen Unterschied machen. Daher ist es mir sehr wichtig, dass Reihenfolgen eingehalten werden sollten und die richtigen Energien genutzt werden; und nicht die weniger „schwierigen“ Methoden, die im Endeffekt funktionieren, aber die falsche Richtung einschlagen – und sei der Unterschied nur 2° oder weniger. Im Laufe der Zeit driften zwei Wege auch bei 2° sehr weit auseinander und so ist es auch mit Planungen, Realisation und vor allem mit der Inspiration Dinge zu tun, die die Welt verändern können und sollen. Ändert man große Visionen nur ein wenig ab, so verpufft die Energie und das Bild ist nicht mehr sichtbar.
Dies alles durfte ich mir anschauen, und dabei lernen, dass Menschen, die gerade begonnen hatten ihren Landsitz aufzubauen – teilweise meine Nachbarn – bereits vor Fertigstellung ihres Hauses wussten, das dies nicht der Ort ist, an dem sie alt werden würden, da das Wedrussien unserer Vorstellung eigentlich bereits gestorben war.
Dies kam hauptsächlich dadurch, dass zuerst das Land gekauft wurde (400 ha), und dann Familien darauf angesiedelt wurden. Dies führte zu Nachbarschaften, die, so verschieden sie waren, nicht nebeneinander existieren konnten. Die wenigsten konnten sofort auf ihr Land ziehen, aus den verschiedensten Gründen, vor allem aber aus finanziellen Erwägungen. So geschah es, dass die Wenigen, die bereits das ganze Jahr über wirklich auf dem Land lebten (unter anderem wir), eine völlig andere Sicht der Dinge bekamen, als diejenigen, die nur am Wochenende, oder noch schlimmer, in den Schulferien zu ihrem Domizil kamen. Was so wenig relevant klingt, birgt bereits den Zündstoff die gesamte Gruppe zu sprengen.
Beispielsweise hatten wir den Winter allein gelebt, die nächste Familie war ca. 1km entfernt, und abgesehen von unseren beiden Familien befand sich niemand über Winter auf seinem Land. Abgesehen davon, dass wir unsere Hunde sehr lieben, bekamen sie für uns noch eine andere Wertschätzung, weil sie uns halfen, die Schakale vom Land zu halten, oder auch nur simple Einbrecher fernzuhalten, wie beispielsweise in einer Nacht, als links und rechts um den angelegten Weg alle provisorischen Häuser, Bungalows oder Bauwägen aufgebrochen wurden, nur nicht in unserer Nachbarschaft. Wir kamen nicht nur deshalb, sondern aus vielfachen Betrachtungen heraus zu dem Schluss: Ohne Hund auf dem Land geht es nicht, jedenfalls hier nicht. Nur wollten einige unserer Wochenendnachbarn, dass der Hund an der Kette bleibt, was für mich nicht in Frage kam, es würde auch nichts bringen, denn dann verliert der benötigte Wachhund seinen Sinn. Diese Erfahrungen hatten unsere Nachbarn eben nicht gemacht.
Ein anderes Beispiel ist der Umgang mit Ressourcen. Einige Siedler (natürlich nicht alle) beschwerten sich über die Häufchen meiner Pferde an der Wasserquelle (…die ist für Menschen nicht für Tiere…), ich jedoch wollte ohne Auto leben, und musste mit Pferd und Kanister immer Wasser holen, da wir noch keinen eigenen Brunnen hatten. Andererseits stellten sich gerade diese Siedler immer bei mir an, um Pferdedung für die Beete auf ihren Landsitzen zu bekommen.
Schlimmer war jedoch für mich, dass alle mit ihren stinkenden und ölenden Ladas bis 1m vor die einzige Trinkwasserquelle im ganzen Umkreis fuhren, um ja keine 10m laufen zu müssen. Dies störte anscheinend nur mich und meine Familie, schließlich gingen wir dort alle barfuß, schwammen, tranken und tankten Schatten, speziell auch mein 2-jähriger Sohn, dem ich ersparen wollte in Motoröl zu laufen – abgesehen mal von den Folgen fürs Trinkwasser.
Zusammenfassend hieß das für mich: Pferd nein, erzeugt zwar Humus, aber ist bäh…Auto ja, stinkt und vergiftet das Wasser, macht aber kein Aa, also nicht bäh…..
Ein Problem, das natürlich mit dem Wegräumen der „Humushäufchen“ behoben ist, aber deutliche Unterschiede in der Weltanschauung offenbart, die auf lange Zeit angelegt, zu wirklichen Problemen unter Menschen führen.
Ähnliche Beispiele gab es viele, z.b. weil die ökologische Aufklärung, aber auch die mögliche Anwendung in Russland nicht weit verbreitet sind.
So geschah es, das die meisten Menschen anfingen ihre Häuser mit herkömmlichen Mitteln zu bauen, halt alles was der Baumarkt so hergibt. Die Folgen fielen mir auf, als ich meinen Sohn baden wollte und Regenwasser erhitzte, welches vom Dach meiner Schwiegermutter aufgefangen wurde. Als es anfing zu dampfen,konnte man unschwer die Kleberrückstände der Teerplatten und wer weiß noch was riechen, aber eben kein gutes Wasser. Ich verzichtete darauf mein Kind darin zu baden und fing an meinen Nachbarn zu erklären, was sie sich da im Sommer auf ihre Beete gießen. Wie sie einerseits versuchen, am Wochenende den Giften der Stadt zu entkommen, andererseits sich diese jedoch wieder in ihre Nahrungskette holen, um sie dann genüsslich zu verspeisen.
Der Erfolg war relativ gering, weil solche Themen in der russischen Gesellschaft noch keine sind.
Dabei musste ich erkennen, dass alles, was das Leben mit der Natur ausmacht, dezentral auf den Landsitzen produziert werden muss, weil es in Russland nicht vorhanden ist. Was, wenn man es genauer betrachtet, aber auch Möglichkeiten bot – gigantische Möglichkeiten sogar.
Die große Problematik der Infrastruktur hatte zur Folge, dass diejenigen die in der Stadt arbeiten mussten, eben nicht die ganze Woche über auf ihrem Land sein konnten. Die Erzeugung von natürlichen Baustoffen war eine der vielen Möglichkeiten, die Arbeit aufs Land zu holen, was ein ganz elementarer Schritt zur Besiedlung ist, und unbedingt bereits bei der Gründung beachtet werden muss.
Lange Rede kurzer Sinn, meine Nachbarn verstanden die Idee nicht, bzw. es ist mir nicht gelungen ihnen den Unterschied zwischen einem toten und einem lebenden Geschäft zu erklären. Um so mehr ich es versuchte, um so deutlicher sah ich, das es nicht gelingen wird eine Gemeinschaft aufzubauen, die funktioniert, und die lebendig bleibt, ohne in alte Strukturen zurück zufallen, wenn man nicht unbedingt ein paar Punkte beachtet.

•Die Gründung der Gemeinschaft erfolgt vor dem Erwerb des Landes

Dies ermöglicht eine wesentlich harmonischere Nachbarschaftsbildung, diese Reihenfolge haben Menschen gewählt die ich Kennenlernen durfte, und sie hat sich bewährt. Diese Gruppe reist seit längerer Zeit durch Russland, lernt sich kennen und schätzen, und lässt sich nun nieder, ganz in der Nähe von Wedrussien – als ich ihnen einige Situationen aus unserer Beobachtung erzählte, sagten sie zu mir, das sie dies nicht kennen, da die Gruppe sich inzwischen so gefunden hat, dass man miteinander leben kann und möchte

•es sollte feste „Besiedlungszeiten“ geben

Das heißt, jeder, der innerhalb der Gemeinschaft Land erwerben möchte, verpflichtet sich innerhalb einer bestimmten Zeit zum festen Umzug aufs Land, alternativ dazu können sich diejenigen welche das nicht wollen in einer anderen Siedlung zusammenfinden, klingt hart, ist aber zwingend notwendig, um eine gleichmäßige Entwicklung zu haben, und kein hartes Gefälle zwischen den Nachbarn, denn glaubt mir, das Leben auf dem eigenen Stück Land verändert alles, und es wird schwierig mit der Zeit die lieben Nachbarn aus der Stadt neben sich zu haben – meistens jedenfalls.

•Ökologische Standards sollten festgelegt sein

•Ein Siedlung sollte einen autarken Wirtschaftsbereich bieten

Die ist der eigentliche Schlüsselpunkt des Konzeptes. Nur wo Menschen es schaffen ihren Verpflichtungen in der technokratischen Welt nachzukommen, ohne ihren Raum der Liebe verlassen zu müssen, lässt sich das technokratische System gegen das biologische System austauschen, und eben nicht dort, wo Menschen das technokratische System außerhalb oder innerhalb ihres Landes benutzen müssen, um eine Umsiedlung überhaupt machen zu können.
Dies sind die Kleinigkeiten von denen ich zuvor sprach.
Diese grundsätzlichen Aspekte gelten für fast alle Bereiche. So hatte ich mal einen kurzen Austausch mit einem sehr netten und aktiven Verfechter von Anastasias Ideen, der meinte, man sollte endlich in die Politik gehen, eine Partei gründen, so wie Megre, damit die Bewegung endlich in Schwung kommt…. Das Problem ist, dass das Wesen der Politik nicht geeignet ist, um solche Ideen durchzusetzen, die Strukturen machen das schier unmöglich, außer man ändert sein politisches Handeln etwas in Richtung Apo, denn nur von außerhalb kann sich eine neue Struktur bilden, innerhalb des Systems wird immer nur systemtreu erschaffen, denn die anderen Gesetze kennt das technokratische System nicht, es ist nicht dafür ausgelegt etwas Lebendiges hervorzubringen.

Ich rufe hier wirklich nicht zur Anarchie auf, wohl aber zu einer sanften Revolution, denn die Zeit ist jetzt, und nicht irgendwann anders.
Versteht man das Wesen der derzeitigen Energie, so macht es keinen Unterschied, ob Ihr ein Stück Land erwerbt und es bebaut, oder ob Ihr es einfach nur bebaut, natürlich im Rahmen der gesetzlichen Bedingungen, aber auch ein Stückchen Gemeindewald bietet guten Boden für Gemüse, und ob es nun wirklich ein Problem ist ein paar Samen in die Erde zu bringen, einen geistigen Raum zu schaffen, oder der Gemeinde 30 Bäume zu schenken, die man dann auf einen Platz seiner Wahl stellen darf, wage ich zu bezweifeln, was uns direkt zum nächsten Punkt bringt.

•Der Raum der Liebe muss zuerst in Euch, dann in der Materie erschaffen werden

Ist es anders herum geplant, dass man einen Raum erschafft in dem Glauben, das dann die Liebe Einzug halten kann, wird meistens der Raum entstehen, welcher der Energie die beim Schaffen zugrunde liegt ähnelt, aber eben kein Raum der Liebe – außer natürlich ihr habt ihn schon vorher im Herzen getragen, dann kommt die Liebe gerne.
Diese Reihenfolge wird der Erfahrung nach allerdings sehr selten eingehalten, schon aus diesem Grund ist es gut, einfach mal ein paar Monate lang immer mal ein bisschen Saatgut in der Tasche zu haben, um zu sehen mit welcher Energie deine Aussaat wächst, und wo…vielleicht entsteht der Raum ja gar nicht da, wo es zufällig ein Grundstück zu kaufen gibt….

21. März 2016 von Christa Jasinski
Kategorien: Rund um den Familienlandsitz | 1 Kommentar

Das Familiengut und die Suche nach einem Wort

Blaukraut bleibt Blaukraut oder Familiengut bleibt Landsitz

Namen sind etwas wichtiges. Ein Mensch lebt sein ganzes Leben unter dem Zeichen seines Namens, trägt ihn mit Stolz oder eben nicht. Genauso ist es mit einem Ort. Nur dass dieser seinen Namen über Jahrhunderte lang tragen soll und sich mehr als nur ein Mensch damit identifizieren und wohlfühlen möchten. Wollen wir es uns und unseren Kindern dann wirklich antun, dass sie in einer immerwährenden Familiengutgemeinde oder gar auf unserem stetig währenden Sippenlandgutshof leben müssen? Ich brech mir ja schon beim Lesen die Zunge! Wie soll man solche langen und nicht gerade wohlklingenden Namen mit Stolz erklingen lassen?

Ihr lieben Denker, ihr habt die Bedeutung des russischen Wortes profunde ergründet und den noblen Wunsch, dass auch unsere Bezeichnung für unser Zuhause bedeutungsgeladen und stimmig ist. Aber vergesst bitte nicht, dass es sich um alltägliche Worte handelt, die sehr oft genutzt werden. In einem Gespräch habe ich einfach nicht die Muße, von unserem stetig währenden Sippenlandgutshof zu sprechen, da werde ich die kürzeste und verständlichste Form wählen und von unserem Landsitz oder auch Familiengut reden. Und wenn ich auf unser ganzes Dorf Bezug nehme, dann nenne ich es auch so. Nur, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe, verbieg ich mir auch mal die Zunge zu Familiengutgemeinde oder auch Familienlandsitzsiedlung.

Vielleicht findet mal ein Poet ein Wort, welches kurz und bedeutungsgeladen zugleich ist. Das wäre großartig! Aber bis dahin nehme ich Vorlieb mit weniger Worten, auch wenn das weniger Inhalt zur Folge hat.

Thea Baum

Reaktion auf den Leserbrief zum Thema “Familiengut” und die daran anschließende Diskussion und den Wortfindungsprozess.

11. Januar 2016 von Christa Jasinski
Kategorien: Leserbriefe, Nachdenkliches, Rund um den Familienlandsitz, Sprache | 1 Kommentar

Leserbrief zum Thema “Familiengut”

Zum GartenWEden Oktober / November 2015 : Wir erschaffen unser immerwährendes Familiengut

Rodovoje Pomestje (lautmalerisch)

Rod = Gott, Heimat, Familienbegriff

Voje = ewige Familien; wobei Familie alle Vorfahren bis zurück zu Adam und Eva sowie alle Nachfahren bis in die Ewigkeit umfasst. Für diesen Familienbegriff gibt es im Deutschen kein Wort, das uns eingefallen wäre. Sowohl „Stamm“ als auch „Ahnen“ werden der Bedeutungsfülle des Wortes nicht gerecht.

Po = folgen, folgend, im Sinne von Nachfolgen, Nachfolger

mestje = Platz, Ort

Pomestje = die (auf) dem Platz folgen, Nachfolger des Platzes/Ortes

Immerwährendes Familiengut

Dieser Ausdruck fühlt sich für mich schon recht gut an. Der Begriff Familie war für mich ebenfalls unstimmig, als ich die Wortherkunft betrachtete, wie Christa es schon geschrieben hat.

Zusammengetragene Begriffserklärungen aus dem Herkunftswörterbuch und aus dem Synonym-Duden:

Familie

Gemeinschaft der Eheleute und Kinder (auch der Verwandtschaft) hat als ursprünglichstes Sozialgebilde vor dem Staat unantastbare Rechte. Sie ist eine biologische, wirtschaftliche und geistige Gemeinschaft, im Christentum religiös begründet bes. durch die sakramentale Weihe ihres Kerns, der Ehe. Die Bedrohung der Familie bedroht den Bestand der Gesellschaft (Quelle HerdersVolkslexikon).

„Gemeinschaft der Eltern oder eines Elternteils und mindestens eines Kindes“, gelegentlich auch im weiteren Sinne von „Gruppe der Blutsverwandten; Sippe“ gebraucht meist in Zusammensetzungen wie „Familienname, Familienrat, Familientag u. a.. Zu lat. famulus „Diener“ stellt sich die Kollektivbildung lat. famila „Gesamtheit der Dienerschaft; Gesinde“. Der Begriff wurde in der patriachalischen Ordnung weiter gefasst. In ihr war familia die gesamte Hausgenossenschaft von Freien und Sklaven, die dem pater familias anvertraut war. – Bis zur Entlehnung von lat. familia im 16. Jh. wurde der Begriff Familie durch die Formel „Weib und Kinde“ (aus der Sicht des Mannes) oder durch die Wörter „Haus“ oder (älter) hinwische abgedeckt.

Haus

Das gemeingerm. Wort mhd., ahd. hüs, got. in gudhüs (Gotteshaus) gehört zu der weit verästelten Wortgruppe idg. Wurzel (s)keu- „bedecken, umhüllen“. Das Wort „Haus“ das heute im Allgemeinen ein Gebäude bezeichnet, das Menschen zum Wohnen dient, hat in Zusammensetzungen umfassenderen Sinn z. B. „Warenhaus“. Alt ist auch die Verwendung von „Haus“ im Sinne von „ Hauswesen“ und von „Familie“. Abl. hausen mdh. hüsen, adh. hüsön „wohnen, sich aufhalten, beherbergen: wirtschaften“

Heim(at)

Das gemeingerm. Wort mhd. ahd. heim engl. home „Haus, Wohnung, Aufenthaltsort, Heimat“ mit dem in anderen idg. Sprachen „Dorf“ und die baltoslaw. Sippe von russ. Semja „Familie“ verwandt sind, ist eine Substantivbildung zu der idg. Wurzel kei liegen und bedeutet demnach ursprünglich „Ort, wo man sich niederlässt, Lager.“ Zu dieser Wurzel kei gehören auch die Wortgruppen von Heirat (ursprünglich zur Hausgemeinschaft gehörig, vertraut).

Hof

Die Vorgeschichte des altgerm. Wortes mhd. ahd. hof ist nicht sicher geklärt. Wahrscheinlich gehört es zu der unter hoch dargestellten idg. Wurzel keu „biegen“ entweder im Sinne von „Erhebung, Anhöhe“, da sich in alter Zeit der Hof vielfach auf einer Anhöhe befand (beachte norw. Hov „Anhöhe“ heidnischer Tempel“ und die Sippe vom Hügel) oder aber im Sinne von „eingehegter Raum“. Im letzteren Falle wäre von einem Bedeutungswandel von „biegen“ zu „winden, flechten: Geflecht, Zaun“ auszugehen. – In altgerm. Zeit bezeichnete das Wort wahrscheinlich zunächst den eingehegten Raum, der ein oder mehrere Gebäude umgibt, dann auch den von einem Gebäude oder von Gebäudeteilen umschlossenen Raum. Dann ging das Wort auch auf das von einem Hof eingeschlossene Gebäude bzw. den Gebäudekomplex über und entwickelte die Bedeutungen „Haus, Wohnung, Gehöft, Anwesen, Besitztum, Gut im Aengl. und Anord. auch die Bedeutung Tempel. Die weitere Bedeutungsgeschichte des Wortes im Dt. steht zum Teil unter dem Einfluss von afrz. Court, frz cour, beachte „Hof“ im Sinn von „Herrenwohnsitz, Fürstenwohnsitz, Palast, Schloss, der Fürst und die ihn umgebenden Edlen“ und die Ableitungen „hofieren, höfisch, höflich, Höfling“ und „hübsch“. Die Bedeutung „Dunstkreis um Mond oder Sonne“ ist für „Hof“ seit dem 15. Jh. bezeugt. Eine Kollektivbildung zu „Hof“ ist Gehöft.

Land

Das gemeingerm. Wort mhd. ahd. lant got. Land, engl. land schwed. land steht im Ablauf zu der nord. Sippe von schwed. linda „Brache, Saat“ und vermutlich auch von schwed. Lund „Hain Wäldchen“. Diese germ. Wortgruppe geht mit verwandten Wörtern im Kelt, und Baltoslaw. auf „lendh“ (freies) Land, Feld, Heide zurück vgl. z. B. air. Land „freier Platz“ und russ. Ljada „ Rodeland niedriger Boden“.

Platz

„freie unbebaute (Straßen-)fläche, Ort, Stelle, Stellung, Position; verfügbarer Raum

Sippe

Bezeichnet in erster Linie das Verhältnis der Blutsverwandtschaft und die darauf aufgebauten väterrechtlichen Gruppen, die in germanischer Zeit von großer politischer Bedeutung waren. Es entspricht got. Sibja „Verwandtschaftsverhältnis“.

Das gemeingerm. Wort bedeutete ursprünglich „eigene Art“ und beruht auf einer Bildung zu der idg. Wurzel „se- „abseits, getrennt, (für sich sein)“. Heute ist es in den meisten germanischen Sprachen untergegangen. Im Nhd. wurde „Sippe“ erst seit Anfang des 19. Jh. wieder belebt. Es bezeichnet heute die Gruppe der entfernten Verwandten im Gegensatz zur engeren „Familie“.

Herdes Volkslexikon: Gesamtheit der germanischen Blutsverwandtschaft

Sippe – Synonym = Clan, Stamm

Clan bezeichnete ursprünglich einen schottischen Lehns- und Stammesverband und ist in dieser Bedeutung im Dt. im 18. Jh. durch die Übersetzungsliteratur und Beschreibungen von Schottland bekannt geworden.

Stamm – Synonym = a) Volksgruppe, Volksstamm oder b) Geschlecht; (Völkerk.): Sippe

Für mich passt auch der Begriff „Stamm“, denn man spricht auch vom Stammhalter „erstgeborener männlicher Nachkomme”, vom Ahnenbuch bzw. Stammbuch, welches die Vorfahren bis in die heutige Zeit erfasst und Raum lässt für dass Fortschreiben aller Nachkommen. (war im 16. Jh. „Geschlechterregister“ dann „Gedenkbuch, in das sich Verwandte eintragen.)

Meine Gedanken dazu:

Interessant ist, dass das Wort Weib im Herkunftswörterbuch Duden auch mit den Worten umhüllen, umwinden beschrieben wird, wie die Begriffe Hof und Haus. Weib, Hof und Haus scheinen im germanischen zusammengehört zu haben. Denn diese Begriffe beinhalten, was man mit einem angenehmen Zuhause verbindet, Wärme, Gemütlichkeit, Liebe, Geborgenheit, willkommen sein, versorgt sein, Nestwärme, Kraftort, Heimat, Zusammenhalt usw. Das Weib mit Kind(ern), der Hof und das Haus bilden zusammen den „russischen Begriff Familie“.

Es ist schon erstaunlich, dass wichtige, bedeutungsvolle Worte, wie der Begriff „Sippe“ aus unserem Sprachgebrauch mehr und mehr verschwanden, dann erneut eingeführt wurden mit einer negativen Besetzung und die ursprüngliche Bedeutung der Sippe durch das Wort „Familie“ ausgetauscht wurde. Die Geschichte des Wortes Sippe spiegelt auch die geschichtliche Entwicklung unserer heutigen Familie wider. Aus den ursprünglichen starken freilebenden, eigenständigen Sippen wurden die heutigen fremdbestimmten versklavten Familien.

Deshalb kann ich mir folgende Wortzusammenstellungen im ursprünglichen germanischen Sinne der Wörter vorstellen: Sippenhauslandgut, Sippenlandhausgut, Sippenlandgutshof. Diese spiegeln auch die geistige Haltung unserer Ahnen zum Land, zum Menschen, zur Natur, zu Gott wider, was auch in der Buchreihe Anastasía immer wieder beschrieben ist.

Meine Definition ist:

Für und mit meiner Sippe erschaffe ich unseren stetigen Sippenlandgutshof  (da sich aus dem Wort Hof u.a. die Wörter Haus und Gut als auch Tempel entwickelten). Einen Platz für die eigene Sippe auf dem (freien) Lande, um dort unseren Stamm zu gründen, unser Heim (Haus) und das Land aufzubauen mit Weib und Kind, entsprechend der Landsitzidee aus der Anastasía-Buchreihe sowie ein Ahnen- bzw. Stammbuch anzulegen, Ahnen-(Stamm-)baum anzupflanzen und mit anderen „Stämmen“ (Sippenlandgutshöfen) eine Gemeinschaft, Siedlung zu bilden.

Viele Stämme / Sippen werden zu Dörfern, Dorfgemeinschaften, Siedlungen und viele davon ergeben einen Volksstamm, ein Volk.

stetiger Sippenlandgutshof, beinhaltet im Sippen(haus)hof Vater, Mutter, Kinder und Großeltern der Kinder als auch den Raum, in dem sich diese aufhalten, wohnen, ihr Lebensmittelpunkt ist. Ihr Haus/Hof erbaut die Sippe, auf dem Land, auf dem sie sich niederlässt. Hier beim (Haus/Hof) Heim ist die Heimat der Sippe. Im Haus/Hof werden Fremde und Freude bewirtet, beherbergt, versorgt, umsorgt. Dies ist ein Raum der Liebe, den das Weib mit ihrem Mann hütet und liebevoll gestaltet, in dem sie mit ihren Kindern und den Großeltern zusammen leben, erleben, erschaffen, was sie brauchen. Landgut/-hof beschreibt den Boden, das Land , das zur Heimat der Sippe wird. Es ist das Land, für das diese Sippe die Verantwortung übernimmt, um das sie sich kümmert, das sie schützt, hegt, pflegt auf dem sie sich alle wohl und gut fühlen. Mit ihrer Liebe zu dem Land erschaffen sie ein Feld der Harmonie und des Gleichgewichtes. Dadurch fühlen sie sich mehr und mehr mit dieser Erde, dem Boden, Land verbunden, ein Raum der Liebe entstehtHof/Gut ist die Verbundenheit mit Gott, als auch ein Tempel oder Gotteshaus, drückt das Gute, die Güte, Dankbarkeit, die geistige, kosmische Einheit, Eins-Sein mit allem, was ist aus. Stetiger weist auf das Ewige hin.

Das Land versinnbildlicht die körperliche Ebene, die Sippe die sichtbare, gelebte Gefühlsebene, das Gut die geistige, kosmische Ebene, das Haus/der Hof umschließt alle Ebenen, verbindet Körper, Gefühle, Geist und Seele miteinander.

Astrid aus Birkenfeld

11. Januar 2016 von Christa Jasinski
Kategorien: Leserbriefe, Nachdenkliches, Rund um den Familienlandsitz, Sprache | Schreibe einen Kommentar

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